Hamburg - Gullygerds Reisen

Direkt zum Seiteninhalt

Besonders da, wo noch Kopfsteinpflaster verlegt ist, findet man die typischen Hamburger Deckel mit der Jahreszahl der Herstellung. Der z.Z. älteste mir bekannte liegt im Hamburger Stadtteil Barmbek-Nord im Dohlenweg / Ecke Adlerstraße und stammt aus dem Jahre 1914. Die Buchstaben SW bedeuten “Sielwesen” - eine alte Bezeichnung der damals zuständigen Behörde.

Im Bereich des Jungfernstiegs rund um das Hapag-Lloyd-Reisebüro findet man diesen Deckel des Herstellers Buderus (heute MeierGuss).
Warum beim Wappen das sonst übliche “Freie und Hansestadt” fehlt und er trotzdem für den öffentlichen Raum bestellt wurde, muss noch erforscht werden.
Das Motiv wird heute nur noch für private Deckel gefertigt (siehe unten).


Beim Hersteller Passavant ist die Jahreszahl der Herstellung eingeprägt. Der Jahrgang 1982 ist der älteste mir bekannte Deckel aus dieser Serie, die  sich in vielen Varianten auf dem Rathausmarkt anfindet.


Passavant liefert auch noch eine runde Variante, die im Innenteil aber nicht von der eckigen abweicht. Auch hier ist die Jahreszahl eingeprägt.


Der  Hersteller “Kanal Guss” liefert auch eine verschraubte Variante, die sich ebenfalls auf dem Rathausmarkt anfindet - allerdings ohne Jahreszahl. Da  der Deckel über keine Lüftungslöcher verfügt, hat er abweichend vom nachfolgenden Muster unten links zwei Öffnungen für das Hebewerkzeug.


Im  Bereich der Internationalen Gartenschau 2013 im Stadtteil Wilhelmsburg wurden Deckel von “Meier Guss” verlegt, die größtenteils dem Design der Variante oben rechts von “Kanal Guss” entsprechen. Er verfügt abweichend über zusätzliche Lüftungslöchern und der Firmenname und die DIN-Bezeichnung stehen im letzten und nicht im vorletzten Musterring.
(Bisher nur als runde Version gefunden)


Besonders kurios ist dieser Deckel, den ich in einem Betriebshof von Hamburg Wasser aufgespürt habe. Auch der zuständige Mitarbeiter konnte nicht  sagen, woher dieser Deckel stammt. Bisher habe ich noch kein Exemplar im öffentlichen Raum gesehen.


Vor der Jugendherberge im Hamburger Stadtteil Horn liegt ein Passavant-Deckel, der zur Einweihung eines Bauabschnittes vom Architekten gestiftet wurde. Im Schriftzug hat sich leider ein Fehler eingeschlichen: Das Wort “Hansestadt” wird nicht mit einem Strich (HANSE-STADT) getrennt!

Wieso liegen Schachtdeckel aus Rom in Hamburg?
           
Die  Firma Rudolf Otto Meyer (Kürzel: ROM) betrieb zusammen mit den Hamburgischen Elektricitätswerken (HEW) die „Fernheizwerk Hamburg GmbH“. Ziel war es, ein Großheizkraftwerk zu errichten, das u. a. Börse, Rathaus und die St.-Petri-Kirche versorgen sollte. Die Anlage wurde eine der ersten Anwendungen der umweltschonenden und energieeffizienten Kraft-Wärme-Kopplung. Weitere Aufträge in ganz Europa folgten – unter anderen profitierten die Einwohner von Berlin, Florenz, Paris und Oslo von den neuen Großkraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung. Durch die Beteiligung am Fernheizwerk in Hamburg finden sich hier viele Deckel mit der Aufschrift ROM - allerdings nicht immer als Firmenlogo dargestellt - und dem Kürzel FH (Fern-Heizung), welches geschickt in das Muster eingebaut wurde. Touristen wundern sich dann immer, warum in Hamburg anscheinend Kanaldeckel aus Rom/Italien liegen.
Zum 100jährigen Jubiläum des Fernwärmenetzes im Jahre 1994 wurde u.a. in der Mönckebergstraße (Einmündung Kreuslerstr.) der unten abgebildete Schachtdeckel verlegt.


1894 - 1994 = 100 Jahre Fernwärme


Ein außergewöhliches Lochmuster zeigt dieser Passavant-Deckel mit nur 40 Zentimerter Durchmesser in der Horner Landstraße in Hamburg-Horn.
Selbst die umfassende Sammlung von Kristian Marten listet dieses Motiv unter Passavant nicht auf.
Vermutlich dienen die großen Löcher ausschließlich zur Kanalbe- und -entlüftung.


Diese privaten Deckel liegen in den Innenhöfen des verzweigten Stadthauses und dem Görtz-Palais.
Das Stadthaus hat eine lange Geschichte:
Angefangen hat alles mit dem 1710 errichteten Görtz-Palais an den Großen Bleichen, das ab 1811 Napoleons Gouverneur als Rathaus diente.
Weil die städtische Verwaltung mehr und mehr Platz brauchte, wurden Erweiterungsbauten hinzugefügt.
Auch die "Staatspolizei" hatte hier ihre Diensträume.
In der Zeit des Nationalsozialismus diente das Gebäude als Zentrale der Hamburger Gestapo (Geheime Staatspolizei),
die hier ihre Häftlinge verhörte, folterte und ermordete.
Mit der Privatisierung und Umbau des Komplexes gab es erhebliche Ärger darüber, wie die Stadt Hamburg hier mit der Erinnerungskultur umgeht.
Infos dazu finden sich in einem Morgenpost-Artikel und einem Beitrag im digitalen Stadtmagazin FINK.Hamburg
und natürlich bei Wikipedia.

Zum Abschluss noch zwei “private” Hamburg-Deckel.
Der linke stammt vom Hersteller Buderus. Dieser entspricht - bis auf die fehlenden Lüftungslöcher - dem Deckel vom Jungfernstieg und wird zur privaten Nutzung über diverse Händler angeboten.

Den rechten habe ich in einer Garagenauffahrt in einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein entdeckt. Auf der Hydrotec-Seite findet sich dieses Motiv nicht mehr. Es wurde durch eine neue Wappenform ersetzt.


Zurück zum Seiteninhalt